Tiergestützte Demenzbetreuung im Hochtaunuskreis
In Deutschland werden Menschen heutzutage immer älter. Laut statistischem Bundesamt lag die Lebenserwartung im Jahr 2015 für Frauen bei 83,4 Jahren und für Männer bei 78,4 Jahren. Vor einem halben Jahrhundert waren es jeweils ca. 10 Jahre weniger. Sehr viele Menschen freuen sich über die gewonnene Lebenszeit und die unzähligen Möglichkeiten, die damit verbunden sind.

Leider bringt das hohe Alter oft auch gesundheitliche Beeinträchtigungen mit sich. Vielen von denen kann die heutige Medizin begegnen, sie mindern oder heilen. Manche jedoch stellen die Erkrankten, wie auch Angehörige vor große Herausforderungen.

Die Demenz ist eine der Erkrankungen, bei denen die Chance zu erkranken mit höherem Alter drastisch zunimmt. Eine Studie aus dem Jahr 2014 zeigte, daß Demenzerkrankungen in Deutschland zu 15,6% bei Menschen im Alter zwischen 80 und 84 Jahren auftritt. Noch häufiger ist die Neuerkrankungsrate bei der Gruppe der 85 bis 90 jährigen, die hier mit 26,11 % beziffert wird. Mit 40,95 % trifft es jedoch die Altersgruppe der Menschen, die 90 Jahre und älter sind am stärksten. Bald jeder Zweite dieser Altersgruppe trägt das Risiko an Demenz zu erkranken in sich. (Quelle: Statista Stand 12.07.2017)

Der Sammelbegriff Demenz steht für eine chronische Erkrankung des Gehirns. Unter den Hauptbegriff fallen verschiedene Erkrankungen die alle mit einem schleichenden Verfall kognitiver, emotionaler und sozialer Fähigkeiten einhergehen. Die bekannteste Unterform ist die Alzheimer Demenz die weltweit ca. 65% aller Demenzerkrankungen ausmacht. Andere, weniger verbreitete Formen, sind die vaskuläre Demenz, Mischdemenz, Frontotemporale Demenz und die Lewy-Körperchen-Demenz.

Unabhängig von der Ursache der Demenz folgt für die Betroffenen Veränderung der Lebensumstände. Die zunehmenden Symptome beeinträchtigen oftmals sowohl die Erkrankten, als auch das Umfeld sehr stark. Durch die dauernde chronisch fortschreitende degenerative Veränderungen des Gehirns verliert der Erkrankte zunehmend Zugang zu früher erworbenen Wissen.

Dieser Zustand äußert sich in unterschiedlichsten Verhaltensweisen und Symptomen, wie zum Beispiel:

  • Gedächtnisstörungen (v.a. des Kurzzeitgedächtnisses)
  • Veränderungen der Persönlichkeitsstruktur
  • Änderung von Verhaltensweisen
  • Rückzug vom sozialen Umfeld
  • Verminderung der Urteilsfähigkeit
  • Störungen des Erkennens
  • Störungen der Sprache
  • Störungen des Handelns
  • Desorientierung
  • gestörter Schlaf- Wachrhythmus, Tag- Nachtumkehr
  • Verminderung der Affektkontrolle, des Antriebes oder des Sozialverhaltens

Eine Therapie zur Wiederherstellung des Ursprungszustandes ist bei einer Demenzerkrankung nach heutigem Kenntnisstand nicht möglich. Die Demenz gilt zurzeit noch weitgehend als unheilbar. Was jedoch bei frühzeitiger Erkennung möglich ist, ist eine Verzögerung des fortschreitenden Abbauprozesses des Gehirns, teilweise bis hin zum Stillstand.

Wenn das Gehirn eines Menschen durch Abbau der notwendigen Nervenzellen dafür sorgt, daß Kommunikationswege beeinträchtigt sind, ist es oftmals schwer einen Zugangsweg zu den erkrankten Personen zu finden. Die Kommunikation gestaltet sich in vieler Hinsicht schwierig und wenig zielführend, da sich die Betroffenen und ihr Umfeld häufig nicht in der „selben Welt“ wiederfinden.

Es gibt verschiedene sogenannte „Türöffner“ mit dem man Zugang zueinander finden kann. Dies können zum Beispiel besonders starke und beliebte Gerüche sein, zum Beispiel der Geruch von frisch gebackenem Brot, wie zu Kindertagen oder Fotoalben, die alte Erinnerungen wecken. Diese Türöffner und besonderen Reize für das Gehirn sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Dennoch hat sich gezeigt, daß manche Zugangswege besonders häufig erfolgversprechend sind. Der Kontakt zu Tieren ist einer davon. Dies konnte mittlerweile durch zahlreiche Studien belegt werden.

Menschen und Tiere haben eine besondere Beziehung zueinander. Sie kommunizieren verbal und nonverbal und interessieren sich dabei nicht für Sprache, die richtigen Worte oder den Satzbau. Tiere verbessern die Empathie des Erkrankten, der sich auf sein Gegenüber einstellen muss. Der Wunsch nach Kontakt und Nähe ist oftmals unbedenklich, während ein zu naher Kontakt mit zum Beispiel einem Mitarbeiter eines Pflegedienstes oder Seniorenwohnheims bei älteren Menschen oftmals als „unsittlich“ und „nicht erlaubt“ wahrgenommen wird. Tiere haben keine Vorurteile gegenüber körperlichen Einschränkungen, Gerüchen oder Aussehen. Sie nehmen ihr Gegenüber an, wie es ist, so daß ein unbeschwerter Kontakt möglich ist. Oftmals spenden Tiere Trost und vermitteln das Gefühl von Nähe und Verständnis.

Der Kontakt mit einem Therapiebegleithund sorgt für eine positive Begegnung. Diese führt unter anderem oftmals zu:

  • Positiven Gefühlen und einem Lächeln auf dem Gesicht
  • Höherer Aktivität in einer teilnahmslosen Welt
  • Mehr Kontakt und Berührungen
  • Öffnung nach Außen und Kommunikation zwischen Mensch und Tier, oftmals zusätzlich auch zwischen Mensch und Mensch
  • Verringerung von Depressionen
  • Gesteigerte Bewegung durch Bewegungen mit dem Tier
  • Gesteigerte Motivation
  • Stressreduktion
  • Erhöhte Lebensfreude durch Kontakt mit dem Tier und ggf. Verantwortung für das Tier
  • Trainings- und Therapiemotivation u.v.m.

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